

Demografischer Wandel
Neue Herausforderungen in der Eingliederungshilfe
Kassel/Bad Wildungen(lwv): „Menschen mit Behinderung haben heute die Chance, in Würde alt zu werden“, sagt Uwe Brückmann, Landesdirektor des LWV Hessen. In 2011 erhalten voraussichtlich 12.100 Menschen Leistungen vom LWV, die 50 Jahre oder älter sind, 2005 waren es noch 8.157. Die demografische Entwicklung stellt den Landeswohlfahrtsverband als Kostenträger und die Einrichtungen der Eingliederungshilfe vor neue Herausforderungen: Angebote zur Gestaltung des Tages müssen ausgebaut werden für jene Menschen, die den Werkstattalltag verlassen. Aus zunehmenden Beeinträchtigungen und Behinderungen, die das Alter mit sich bringt, ergeben sich neue Anforderungen.
Das möchte Landesdirektor Uwe Brückmann im Rahmen seiner diesjährigen Rundreise durch die hessischen Landkreise deutlich machen: Er besucht verschiedene Einrichtungen, um mit den Verantwortlichen die besonderen Bedürfnisse der älteren Menschen mit Behinderung zu thematisieren. Am heutigen Mittwoch ist er gemeinsam mit Landrat Dr. Reinhard Kubat im Pflege- und Betreuungszentrum Kaiserhof in Bad Wildungen zu Gast.
Das Wohn- und Pflegeheim Kaiserhof ist eine neurologische Fachpflegeeinrichtung. Hier werden Menschen mit schwersten und schweren neurologischen Schädigungen (zum Beispiel im Wachkoma) und Menschen mit organisch bedingten Persönlichkeitsstörungen betreut. Außerdem werden hier Menschen, die beatmet werden müssen, behandelt. Bei einigen Patienten wird mit aktivierender Pflege versucht, deren individuelle Möglichkeiten weiterzuentwickeln. Bei anderen, die zeitlich unbegrenzt Pflege-, Betreuungs- und Therapiemaßnahmen benötigen, soll vor allem der gesundheitliche Zustand erhalten werden.
Die Zahl der Menschen mit Behinderung, die ihren Alltag nicht allein bewältigen können, steigt kontinuierlich: Psychische Erkrankungen nehmen zu und infolge dessen auch seelische Behinderungen. Neugeborene mit schweren und mehrfachen Behinderungen haben heute größere Überlebenschancen.
Darüber hinaus gibt es mehr Leistungsberechtigte über 50. „Das ist ein Erfolg der Medizin, aber auch der verbesserten Betreuungsangebote auf allen Ebenen“, sagt Landesdirektor Uwe Brückmann. Ein weiterer Faktor kommt hinzu: Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Krankentötungen im Nationalsozialismus erreicht erstmals eine Generation von Menschen mit Behinderungen ein höheres Alter.
So kamen auf 1.000 Bewohner in Hessen im Jahr 2005 rund sieben Menschen, die Eingliederungshilfe oder andere Sozialhilfeleistungen vom LWV bekamen, heute sind es bereits 8,5. Insgesamt rechnet der LWV in diesem Jahr mit 51.700 Leistungsberechtigten.
Leistungen des LWV im Landkreis Waldeck-Frankenberg
2011 wird der LWV im Landkreis Waldeck-Frankenberg voraussichtlich rund 35,5 Mio. Euro für Leistungen der überörtlichen Sozialhilfe aufwenden, zu denen auch die Eingliederungshilfe gehört.
Davon profitieren 1.862 Menschen mit Behinderung, 2006 waren es 1.637 (Steigerung: 13,75 Prozent).
© 1997-2011 Pflege- und Betreuungszentrum Kaiserhof Bad Wildungen| Aktualisiert am 29.03.2011 | Seite empfehlen